Hyperhidrose: Ursachen und Formen
Hyperhidrose bezeichnet eine Schweißproduktion, die über das zur Temperaturregulation nötige Maß hinausgeht. Bei der häufigen primären Form liegt keine Grunderkrankung vor; die Ursache ist eine Überaktivität der Schweißdrüsen-Steuerung. Die sekundäre Form ist Folge einer anderen Ursache – etwa Schilddrüsenüberfunktion, hormoneller Umstellung oder Medikamenten – und muss ärztlich abgeklärt werden.
Fachlich verantwortet von Jessica Almeida, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie · Zuletzt aktualisiert am 09.08.2026
Was passiert beim Schwitzen?
Schwitzen ist eine lebenswichtige Funktion des Körpers. Über die Verdunstung von Schweiß auf der Haut wird Wärme abgegeben und so die Körpertemperatur reguliert – etwa bei Hitze, körperlicher Anstrengung, Fieber oder Aufregung. Verantwortlich dafür sind vor allem die ekkrinen Schweißdrüsen, von denen der Mensch über zwei Millionen besitzt. Sie liegen über nahezu den gesamten Körper verteilt, mit besonders hoher Dichte an Handflächen, Fußsohlen, Achseln und im Gesicht.
Gesteuert werden diese Drüsen vom vegetativen (autonomen) Nervensystem, also dem Teil des Nervensystems, der ohne willentliche Kontrolle arbeitet. Als Botenstoff dient dabei Acetylcholin, der das Signal zur Schweißabgabe an die Drüse überträgt. Bei einer Hyperhidrose ist dieses fein abgestimmte System aus dem Gleichgewicht: Es wird deutlich mehr Schweiß gebildet, als zur Temperaturregulation nötig wäre. Die Schweißdrüsen selbst sind dabei in der Regel normal aufgebaut – gestört ist ihre Ansteuerung.
Von den ekkrinen Schweißdrüsen zu unterscheiden sind die apokrinen Duftdrüsen, die vor allem im Bereich der Achseln vorkommen und ein zäheres Sekret abgeben. Für die Temperaturregulation und das übermäßige Schwitzen bei einer Hyperhidrose sind jedoch fast ausschließlich die ekkrinen Drüsen von Bedeutung. Wichtig zu wissen: Übermäßiges Schwitzen ist keine Frage mangelnder Hygiene, sondern ein medizinisches Krankheitsbild, das untersucht und behandelt werden kann.
Was kennzeichnet die primäre (fokale) Hyperhidrose?
Die primäre Hyperhidrose ist die mit Abstand häufigste Form. Sie ist eine eigenständige Störung der Schweißregulation, der keine andere Erkrankung zugrunde liegt. Charakteristisch ist, dass sie umschriebene, meist symmetrisch betroffene Körperregionen betrifft – man spricht daher auch von einer fokalen Hyperhidrose. Typische Areale sind die Achseln (Achselschweiß), die Handflächen (Schweißhände bzw. Schwitzhände), die Fußsohlen (Schweißfüße) sowie Stirn, Kopf und Gesicht (Stirnschweiß). Häufig sind mehrere dieser Regionen gleichzeitig betroffen.
Die Beschwerden beginnen typischerweise in der Kindheit oder Jugend, oft mit Einsetzen der Pubertät, seltener erst im frühen Erwachsenenalter. Viele Betroffene berichten über Verwandte mit ähnlichen Beschwerden; eine familiäre Häufung ist gut dokumentiert und spricht für eine erbliche Veranlagung. Ein einzelnes verantwortliches Gen ist jedoch nicht bekannt.
Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal: Nachts und im Schlaf ist das Schwitzen bei der primären Form meist ruhig – die Betroffenen schwitzen im Bett in der Regel nicht übermäßig. Das Schwitzen tritt tagsüber auf, häufig unabhängig von Temperatur oder Anstrengung, und kann Alltag, Beruf und Sozialleben erheblich einschränken. Ausführliche Informationen zu den einzelnen Regionen finden Sie auf den Seiten zu Achselschweiß, Schweißhänden und Schweißfüßen.
Was steckt hinter der sekundären Hyperhidrose?
Bei der sekundären Hyperhidrose ist das übermäßige Schwitzen Folge einer anderen, zugrunde liegenden Ursache. Anders als bei der primären Form ist das Schwitzen hier häufig generalisiert, betrifft also den gesamten Körper und nicht nur einzelne Areale. Auch nächtliches Schwitzen (Nachtschweiß) ist bei dieser Form möglich. Als Ursachen kommen unter anderem in Betracht:
- Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), die den Stoffwechsel und damit die Wärmeproduktion steigert.
- Diabetes mellitus, insbesondere bei Unterzuckerungen (Hypoglykämien), die von Schwitzen begleitet sein können.
- Hormonelle Umstellungen, etwa die Wechseljahre mit Hitzewallungen und Schweißausbrüchen.
- Infektionen und fieberhafte Erkrankungen, akut wie auch anhaltend.
- Neurologische Erkrankungen, die die Steuerung des vegetativen Nervensystems beeinflussen.
- Übergewicht, das mit vermehrter Wärmebildung und stärkerem Schwitzen einhergehen kann.
- Medikamente als Nebenwirkung, zum Beispiel bestimmte Antidepressiva sowie einzelne weitere Wirkstoffgruppen.
Diese Aufzählung ist nicht vollständig und ersetzt keine ärztliche Beurteilung. Ob und welche Ursache vorliegt, klärt eine gezielte Untersuchung. Wie dabei vorgegangen wird, beschreibt die Seite zur Hyperhidrose-Diagnostik.
Wann muss starkes Schwitzen ärztlich abgeklärt werden?
Nicht jedes starke Schwitzen ist harmlos. Bestimmte Merkmale können auf eine sekundäre Hyperhidrose oder eine andere behandlungsbedürftige Erkrankung hinweisen. Lassen Sie starkes Schwitzen ärztlich abklären, insbesondere wenn eines oder mehrere der folgenden Warnzeichen zutreffen:
- Das Schwitzen tritt neu oder plötzlich auf, ohne dass es früher bestand.
- Es ist generalisiert, betrifft also den ganzen Körper und nicht nur einzelne Areale.
- Es tritt vor allem nachts auf (Nachtschweiß).
- Es wird von ungewolltem Gewichtsverlust begleitet.
- Es geht mit Fieber, Herzrasen oder anderen Allgemeinsymptomen einher.
Diese Zeichen bedeuten nicht zwangsläufig eine schwere Erkrankung, sollten aber Anlass für eine ärztliche Untersuchung sein, damit mögliche zugrunde liegende Ursachen erkannt oder ausgeschlossen werden können. Auch wenn lokal begrenztes Schwitzen ohne solche Warnzeichen zu einem hohen Leidensdruck führt, ist eine ärztliche Beratung sinnvoll.
Auslöser oder Ursache – wo liegt der Unterschied?
In der Beratung werden Auslöser und Ursache häufig verwechselt. Ein Auslöser verstärkt ein bereits bestehendes Schwitzen, ist aber nicht der Grund für die Erkrankung. So können Stress, Anspannung, Nervosität, Wärme oder bestimmte Nahrungsmittel – etwa scharfe Speisen, Kaffee oder Alkohol – das Schwitzen deutlich anfachen. Bei der primären Hyperhidrose besteht die Neigung zum übermäßigen Schwitzen jedoch unabhängig davon; die Auslöser bringen sie lediglich stärker zum Vorschein. Das erklärt auch, warum das Vermeiden vermeintlicher „Auslöser“ allein selten ausreicht, um die Beschwerden in den Griff zu bekommen.
Die Ursache hingegen ist das, was das Schwitzen grundsätzlich bedingt – bei der primären Form die überschießende Ansteuerung der Schweißdrüsen, bei der sekundären Form eine zugrunde liegende Erkrankung oder ein Medikament. Für die Behandlung ist diese Unterscheidung entscheidend: Während bei der sekundären Form die Grundursache behandelt wird, richtet sich die Therapie der primären Form direkt auf die Reduktion der Schweißproduktion.
In der Praxis bedeutet das: Wird eine sekundäre Ursache gefunden und behandelt, bessert sich häufig auch das Schwitzen. Bei der primären Hyperhidrose stehen dagegen Maßnahmen im Vordergrund, die unmittelbar an den Schweißdrüsen ansetzen – von medizinischen Antitranspirantien über die Leitungswasser-Iontophorese bis zur ärztlichen Behandlung mit Botulinumtoxin. Welches Vorgehen sinnvoll ist, hängt von Region, Schweregrad und individuellen Umständen ab und wird ärztlich abgewogen.
Primäre und sekundäre Hyperhidrose im Vergleich
| Merkmal | Primäre Hyperhidrose | Sekundäre Hyperhidrose |
|---|---|---|
| Beginn | meist in Kindheit oder Jugend | oft im Erwachsenenalter, häufig neu einsetzend |
| Verteilung | umschrieben, symmetrisch (Achseln, Hände, Füße, Gesicht) | häufig generalisiert (ganzer Körper) |
| Nachts | meist ruhig, kein Nachtschweiß | Nachtschweiß möglich |
| Begleitsymptome | in der Regel keine | möglich, z. B. Gewichtsverlust, Fieber, Herzrasen |
Die Tabelle bietet eine erste Orientierung, ersetzt aber keine ärztliche Einschätzung. Die sichere Zuordnung erfolgt im ärztlichen Gespräch und – wo nötig – durch ergänzende Untersuchungen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen primärer und sekundärer Hyperhidrose?
Die primäre Hyperhidrose ist eine eigenständige Störung der Schweißregulation ohne zugrunde liegende Krankheit; sie beginnt meist in Jugendjahren und betrifft umschriebene Areale wie Achseln, Hände oder Füße. Die sekundäre Form ist Symptom einer anderen Ursache und betrifft oft den ganzen Körper.
Welche Erkrankungen können starkes Schwitzen auslösen?
Mögliche Ursachen sekundären Schwitzens sind unter anderem Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes mellitus, hormonelle Umstellungen wie die Wechseljahre, Infektionen, neurologische Erkrankungen, Übergewicht sowie Nebenwirkungen von Medikamenten, etwa bestimmter Antidepressiva. Die Abklärung gehört in ärztliche Hände.
Ist Hyperhidrose vererbbar?
Eine familiäre Häufung ist bei der primären Hyperhidrose gut dokumentiert; viele Betroffene berichten über Verwandte mit ähnlichen Beschwerden. Ein einzelnes verantwortliches Gen ist nicht bekannt, eine erbliche Veranlagung gilt jedoch als wahrscheinlich.
Wann sollte ich mit starkem Schwitzen zum Arzt?
Ärztlich abklären lassen sollten Sie sich insbesondere, wenn das Schwitzen neu oder plötzlich auftritt, den ganzen Körper betrifft, nachts auftritt oder von Gewichtsverlust, Fieber oder Herzrasen begleitet wird. Auch bei hohem Leidensdruck durch lokal begrenztes Schwitzen ist eine ärztliche Beratung sinnvoll.
Persönliche Beratung in Frankfurt
Sie möchten wissen, welche Behandlung in Ihrem Fall in Betracht kommt? Vereinbaren Sie ein ärztliches Beratungsgespräch – telefonisch unter 06109 – 698 72 22, per E-Mail an info@schwitzen-frankfurt.de oder direkt online.
Fachliche Verantwortung und Aktualität
Inhaltlich verantwortlich: Jessica Almeida, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Zusatzbezeichnung Handchirurgie. Zuletzt aktualisiert am 09.08.2026.
Fachliche Grundlagen
- S1-Leitlinie „Definition und Therapie der primären Hyperhidrose“ der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (AWMF-Register 013-059)
Wichtiger medizinischer Hinweis
Botulinumtoxin ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Jede Behandlung setzt eine persönliche ärztliche Beratung, Aufklärung und individuelle Indikationsstellung voraus. Wirkung und Verträglichkeit sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich; ein bestimmter Behandlungserfolg kann nicht zugesichert werden. Diese Seite dient der sachlichen Patienteninformation und ersetzt kein ärztliches Beratungsgespräch.